Zeitzeugnisse aus dem Ammerland

Schlachten und Wursten auf dem Hof der Großeltern von Andreas Müller aus Bekhausermoor


Lisa MüllerAndreas seine Mutter Lisa Müller trägt die Flomen ins Haus. Die Haut wird abgezogen und zu Wurstdärmen genäht, das Fett zu Schmalz ausgelassen. Schlachtjahr1955.

Andreas seine Oma Johanne und Opa Eduard Müller beim Wursten.

Andreas seine Oma Johanne
und Opa Eduard Müller beim
Wursten.
Der Hausschlachter war Heinz Spille
aus Bekhausen.
Schlachtjahr1955.

Andreas knabbert die Reste vom Kieferknochen abFoto rechts: Ca.1962
Andreas knabbert die Reste
vom Kieferknochen ab,
„er muß wohl fast
verhungert sein“
mhmmmm!! schmeckt das
gut!!

Strahlende Gesichter gab es 1942 auch beim Schlachtfest auf dem Hof Kuck in HörneBOKEL:

Zeitungsausschnitte von Hermann Müller aus Bokel.
Strahlende Gesichter gab es 1942 auch beim Schlachtfest auf dem Hof Kuck in Hörne.
V. L. Käthe Kuck, Friedrich Tien, Helene Kuck, Anna Kuck,.
Die Kinder: Alwine Tien, Elfriede Kuck und Annegret Tien.
Ein äußerst seltenes Jubiläum konnte jetzt
Christian Müller
(Foto rechts) aus Bokel feiern.


Schlachter Christian MüllerVor fünfzig Jahren begann er in der Gemeinde
Wiefelstede als Hausschlachter.
Er setzte damit die Arbeit seines Vaters fort,
der schon seit 1888 über' Land ging
(„Tatsächlich zu Fuß, ein Rad hatte er damals
noch nicht"), um im südlichen Ammerland für
die Bauern deren Vieh zu schlachten.
So besteht in diesem Jahr auch gleichzeitig
seit 90 Jahren in der Familie die Tradition
der Hausschlachterei.
„Im Frühjahr 1928 bin ich aus der Schule, und
im Herbst zu Beginn der Schlachtsaison gegen
Ende Oktober habe ich unter
Anleitung meines Vaters mein erstes Stück
Vieh geschlachtet",erinnert sich der Jubilar.
Arbeit hatte Christian Müller immer genug.
Pro Tag schlachtete und zerlegte er sieben
oder acht Tiere, sein „Tagesrekord" stehe bei 13 Stück Vieh. 

 

Gemälde:
Schweineschlachten von Professor Bernhard Winter (1871- 1964) entstanden 1924 auf dem Hof Martens an der Heinrichstraße in Aschhausen mit dem Hausschlachter D. Roggemann, sowie dem Schlachtveranstalter Johann Martens und den Helfern Gustav Oltmanns, Gerd Oltmanns, Gerd Oltmanns jun. und Eduard Eilers. Das Originalgemälde befindet sich im Besitz der Familie Koopmann, um 1900, bundesweit bekannte Fleischwarenhändler.
Das Foto, eine seltene und sehr schöne Dokumentation vom Hausschlachten,
wurde mir freundlicherweise von Herrn Dietrich- Konrad Handt aus Oldenburg zur Verfügung gestellt.
Dieses Foto wurde auch von der Stadt Oldenburg als Einladungskarte für das
„Grünkohlessen in Bonn“ verwendet.Schweineschlachten von Professor Bernhard Winter (1871- 1964) entstanden 1924 auf dem Hof Martens

Auf dem unteren Foto sieht man sehr gut, dass die Schweine früher auch entlang dem Rücken „aufgehackt“
wurden, und nicht in der Mitte.

Hausschlachter Friedrich und Johann Bartels auf dem Hof Runken in Hörne

Das Bild zeigt die Hausschlachter Friedrich und Johann Bartels auf dem Hof Runken in Hörne.
Nur bei besonderen Anlässen wurde zumeist der Fotoapparat herausgeholt. Ein solcher besonderer Anlass
war stets das „Schlachtfest". Diese Bezeichnung für eine in Wirklichkeit sehr arbeitsintensive, anstrengende
Tätigkeit, verweist auf die Wichtigkeit des Schlachtens: Vorratshaltung für die nächsten Monate spielte
noch eine zentrale Rolle bei der Planung jeder Hausfrau. Die geschlachteten Schweine mit ihren bis zu 200
Kilogramm Gewicht lieferten hierzu einen sehr wichtigen Beitrag -galt doch das Fleisch als besonders
wertvolle Nahrung.

Der unten gezeigte Zeitungsausschnitt wurde mir von Hermann Müller Bokel zur Verfügung gestellt. Er
zeigt die Schlachterei Scholjegerdes

Schlachterei Scholjegerdes

Wenngleich auch die Handwerker und Kaufleute des Dorfes bis in die 60er Jahre zumeist auch
einiges Vieh hielten und die Hausschlachtung eine Selbstverständlichkeit war, so konnte doch
daneben auch das Schlachtergewerbe erfolgreich wirtschaften. Für diesen fotografischen Einblick
in die Schlachterei Scholjegerdes haben sich im Jahre 1925 alle in Positur gestellt, um ihre
übliche Tätigkeit zu zeigen. Von links: Anna Swarzina, Lotti Swarzina, Meister Fritz
Scholjegerdes, Heinrich Bartels.

Durch die heutige Direktvermarktung der selbst erzeugten Waren an den Endkunden, werden
leider auch wieder neue Gesetze erforderlich, die es dem Vermarkter, der nur seine eigenen Waren
verkauft, wieder erschwert.
Natürlich kann man nicht alles ohne Konservierungsstoffe herstellen, und ich glaube auch ganz
fest daran, dass in Bio nicht immer Bio drin ist, denn wir haben doch gar nicht so viel
Produktionsfläche, wie Bio angeboten wird.
BFH zum Hofladen als Gewerbebetrieb
BFH-Urteil vom 25.03.2009 – IV R 21/06
Pressemeldung Nr. 63 des Bundesfinanzhofes (BFH):
“Mit Urteil vom 25. März 2009 IV R 21/06 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass ein
Hofladen als selbständiger Gewerbebetrieb zu beurteilen sein kann, wenn über den Laden neben
eigenerzeugten Produkten auch Fremdprodukte abgesetzt werden.
Landwirte gehen immer häufiger dazu über, die von ihnen erzeugten Produkte direkt an den
Endverbraucher zu vermarkten. Dies geschieht üblicherweise über Marktstand, Verkaufswagen
oder Hofladen. Um die Attraktivität der Absatzstellen für den Endverbraucher zu erhöhen,
verbreitern die Landwirte ihr Warensortiment um zugekaufte Waren unterschiedlichster Art. Damit
verhalten sie sich aber händlertypisch und damit gewerblich. Es stellte sich damit die Frage, ob
überhaupt und wenn ja, ab wann die Handelstätigkeit die landwirtschaftliche Tätigkeit infiziert und
dort zu einer Umqualifizierung der landwirtschaftlichen Einkünfte führt.
Im Streitfall führte der Kläger einen Hofladen, in dem er auch zugekaufte Waren absetzte. Der
BFH nahm den Fall zum Anlass, seine bisherige Rechtsprechung teilweise zu korrigieren und neue
Grenzen für die Annahme eines Gewerbebetriebs festzulegen. Danach ist ein Hofladen dann als
gewerblich anzusehen, wenn der darin getätigte Nettoumsatz mit Fremdprodukten aller Art
nachhaltig ein Drittel des Nettogesamtumsatzes oder den Höchstbetrag von 51.500,- € übersteigt.
Wird eine dieser Grenzen drei Jahre in Folge überschritten, führt die gesamte Verkaufstätigkeit im
Hofladen einschließlich des Verkaufs von Eigenprodukten ab dem vierten Jahr zu gewerblichen
Einkünften. Daneben verbleibt es aber bei landwirtschaftlichen Einkünften, soweit der Landwirt
eigenerzeugte Produkte ab Hof in nicht eigens hergerichteten Räumen an Dritte verkauft. Der
bisherige landwirtschaftliche Betrieb spaltet sich durch die Handelstätigkeit damit in zwei Betriebe
auf, einen landwirtschaftlichen und einen gewerblichen.
Im Streitfall wurden die schädlichen Grenzen nicht überschritten, so dass die gesamte
Verkaufstätigkeit im Hofladen noch zu landwirtschaftlichen Einkünften führte.”