Hausschlachtungen im Stedinger Land

Mein Vater Christian Osterloh,
geb.11.7.1908 war von 1930-1975 als Hausschlachter in dem Gebiet der Gemeinde Berne im „Stedinger
Land“ tätig. Er lebte als sehr achtbarer Bürger mit seiner Ehefrau, unserer Mutter Marie, geb. Cordes, geb.
15.04.1908 und uns Kindern bis zu seinem Tode 1976 in seinem urelterlichen, 1820 erbauten
Köther- Reetdach- Haus in Dreisielen. Hier wuchs er von Kindesbeinen bei seinen Großeltern auf, denn
sein Vater fiel schon im ersten Kriegsjahr 1914 /18. Seine Schwester Anneliese wuchs dann bei der Mutter
auf, die aber in der Nähe wohnten. Seine Mutter war in dieser schweren Zeit als Handarbeitslehrerin tätig,
Sie und ging über Land um in den Haushalten zu nähen und noch etwas Geld hinzu zu verdienen, das wäre
mit 2 Kindern fast unmöglich gewesen.


Foto: Urelternhaus in Dreisielen
Das urelterliches Reetdach- Haus um 1850.
1990 von Hanna Höfig nach einem Foto in Öl
gemalt
Köther- Haus:
Diese Häuser waren meist einem Bauernhof
zugehörige Landstätten, wo oftmals der große
Knecht mit seiner Familie noch seine
Selbstversorgung hatte. Die Kötherhäuser zur
Deichsicherung wurden meist
direkt an Deichen gebaut.
War bis hierher das ländliche Stedingen durch das
Dorf Berne (Handel und Gewerbe) und die
Bauernschaften (Hausleute, Köther) geprägt, siedelten sich nun, Anfang des 19ten Jahrhunderts, um 1820,
die "Seefahrer" an. Denn die aufkommende Seefahrt und Fischerei ermöglichte es auch den nicht
erbberechtigten Stedinger Bauernsöhnen, als auch vielen Siedlungswilligen aus den benachbarten
hannöverschen Ländern die Chance auf eine Verdienstmöglichkeiten, ein eigenes Haus und damit eine
eigene Familie zu gründen.
Zu jedem Hof in Stedingen gehörte damals eine Deichlast, diese wurde bei einer Deichbeschau durch die so
genannten Deichgeschwornen im Frühjahr und Herbst bewertet welche dann entsprechende Auflagen
erteilten. Der zugewiesene Deichabschnitt, die Größe hing von der Größe des Bauernhofes ab, musste also
durch den Bauern in Stand gehalten werden. Konnte der Bauer seine Pflicht nicht erfüllen, musste er den
"Spaten stecken" und verlor auch seinen Hof der an den Deich gebunden war.
Die Stedinger Bauern bauten nun kleine Deichkaten und machten mit den Zuwanderern folgende
Absprache.
"Du bekommst die Deichkate bzw. einen Bauplatz und übernimmst dafür alle Deichlasten des Hofes."
„Sie delegierten ihre Pflichten“
So bildete sich bald eine neue Bevölkerungsschicht, die so genannten "Deichköther". Diese vermieteten
ihrerseits an Neuzugewanderte, die man "Häuslinge" nannte. Bald darauf war die bis dahin bestimmende
Bauernschaft zu einer Minderheit geworden, stellte aber trotz allem immer noch die bestimmende
Gesellschaft.
Diese Deichköther arbeiteten als Bootsbauer, Grönlandfahrer, Matrosen, Steuerleute, Schiffszimmermänner
und fuhren im wesentlichen auf oldenburgischen, bremischen und auch holländischen Schiffen zur See.
Obwohl der Deich an der alten Hunteschleife durch die Begradigung der Hunte keinen Hochwasserschutz
mehr darstellte, hatten wir bis zum Abbau des Deiches Anfang der 60er Jahre (zur Erhöhung des neuen
Hunte Deiches) das Recht und die Pflicht das Stück Deich am Haus, und noch ein weiteres Stück in
Wehrderhöhle sauber zu halten; d.h. zu mähen und zu heuen, und somit auch zu nutzen, denn das Gras und
das Heu wurde ja für das Vieh gebraucht.

„Dreisielen“ ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Berne, mit zu damaliger Zeit ca. 40 Einwohnern an der Berner Wappen
Ollen, die durch „drei Siele“, erbaut 1897, in die Hunte mündet.
1149 wird der Ort Berne erstmalig urkundlich erwähnt, der Ort muss
jedoch schon eine längere Siedlungsgeschichte haben, denn die
Ablagerungen auf der Kirchenwurt werden dem 9. -10. Jhd. zugerechnet.
Wann hier wirklich die erste Kirche (vermutlich eine reine Holzkirche) gebaut wurde, ist nicht belegt,
Das Berner Wappen zeigt zwei rote, zur Seite sehende Pferdeköpfe
die die Verbundenheit zur Landwirtschaft und der Pferdezucht
zeigen, sowie ein Schiff auf weißen Wellen, welches die
Verbundenheit zum Bootsbau und der Seefahrt zeigt.
Die Hunte wurde während der beiden Korrektionen 1867 / 1893- 99
bei Huntebrück / Elsfleth für die Schifffahrt begradigt.
Durch die Begradigung der Hunte 1924 wurde von der
Wehrderhöhle bis Huntebrück ein neuer Deich und der erste
Stedinger Siel mit großen Sieltoren gebaut. Somit entstand die nun
geschlossene
„Alte Hunteschleife“, die heute am Schlüterdeich zugeschüttet, und
als Nutzland ausgewiesen ist. Die „drei Siele“ in Dreisielen wurden
außer Betrieb genommen, wobei der große Siel mit 26
Sprenglöchern gesprengt wurde.
An diese Stelle wurde die unten abgebildete Betonbrücke gebaut, die dann im April 1945, also kurz vor
Kriegsende, den wahnsinnigen Brückensprengungen zum Opfer viel. Bis Heute führt hier eine, nachdem
Kriege errichtete, Notbrücke über die Ollen.

Brücke DreisielenZu meiner Kinderzeit konnten wir noch mit dem Ruderboot durch den mittleren Siel fahren, der dritte war
schon zugeschüttet. Bei
den beiden anderen Sielen
sind heute noch die
Sielsteine vorhanden.
Der Wasserstand der Ollen
wird nun über das Teilstück
der alten Hunteschleife
durch den
„Lichtenberger Siel“ in
die Hunte geregelt.
Postkarte: Die Brücke in
Dreisielen, ca. 1930 mit
Blick auf unser Haus.
Walfang:
Von Dreisielen, und weiteren oldenburgischen Weserhäfen, fuhren in den 40er bis 60er Jahren des
19. Jahrhunderts die ersten Walfangflotten Norddeutschlands mit viele Schiffen ins nördliche Eismeer und
in die Südsee zum Walfang.
Die größte Walfangreederei war die „Stedinger Compagnie in Dreisielen“.