Das Schlachten damals

Den richtigen Schlachttermin zu finden, war auch nicht immer einfach. Wenn ein weibliches
Schlachtschwein „Eberte“ musste der Tag verschoben werden, weil sonst die Haltbarkeit des
Schlachtfleisches, wegen der Hitze im Fleisch, nicht gewährleistet war. Darum wurden meist kastrierte
Ferkel (Hauer) speziell für die Hausschlachtung gemästet.
Die beim Wursten und Einmachen beteiligten Frauen durften auch nicht die monatliche Periode haben,
denn dann sollen auch die Gläser wieder aufgehen und die Wurst schlecht werden. Das jedenfalls sagten die
älteren Frauen, und die mussten es bei ihrer Erfahrung wissen.

Warum darf beim Hausschlachten (Schwein) keine Frau mitarbeiten, die gerade ihre Regel hat?
Dieses wurde oft hinterfragt, einige glauben, das man den Frauen einfach die Schuld gab wenn etwas schief
ging, einige glauben es ist eine Überlieferung aus der Hexenzeit, wieder andere glauben es kommt aus der
Steinzeit als die Frauen noch als unrein galten wenn sie ihre Regel hatten.
Aber es gibt noch viele, die aus ihren eigenen und auch aus den Erfahrungen ihrer Eltern wissen, das Gläser
aufgehen, oder das Fleisch sich nicht lange hält, und selbst Marmeladen- und Gemüsegläser aufgehen.
Hier noch eine Antwort aus dem Internet:
Das ist Schwachsinn aus der Steinzeit! Mein bester Freund ist Fleischer und da ist es egal ob beim
Schlachten seine Frau ihre Regel hat oder nicht....
Ich denke diese Person weiß nicht, dass ein Schlachter auch keine Dauerwurst macht, oder Gläser einweckt,
die man das ganze Jahr über halten muss. Und wenn er denn noch selber etwas macht, wird es sofort
verkauft und verbraucht.
Der Menstruationsexperte M. Dessloch, hat nach eingehenden Selbstversuchen festgestellt, das z.B.
Buletten die während der Regel gerollt werden, einen metallischen, leicht säuerlichen Geschmack haben,
der Pudding klumpte, Marmeladengläser platzten und verschütteten sich auf seine Hose. Ein geplatztes
Marmeladenglas verursachte sogar eine Kerbe in seinem Kinn.
So wird noch viel nach Argumenten gesucht:
Aber ich glaube daran, denn meine Mutter war beileibe keine Hinterwäldlerin, sondern eine sehr
fortschrittlich Frau, die sich an diese Regel gehalten hat.
Das Schwein durfte auch einen Tag vorher nichts mehr zu fressen bekommen, damit die Eingeweide
weitgehend leer waren, denn das erleichterte das Schlachten und ausweiden ungemein.

Herausführen des zu schlachtenden SchweinsSchon das Herausführen aus dem Stall zum
Schlachtplatz musste behutsam geschehen,
damit das Tier nicht aufgeregt wurde so
hielten wir es jedenfalls.
Dazu bekam das Schwein ein so genanntes
Schnutentau (Schnautzentau) ins Maul und
wurde so zum Trog geführt.
Hier wurde es neben den umgedrehten
Trog dirigiert, dann mit kräftigen Armen
von Helfern auf den Trog gezogen, die
Schnauze mit dem Schnutentau
zugebunden, damit es nicht beißen
konnte. Das unten liegende Vorderbein
wurde am Griff vom Trog festgebunden
das andere wurde hoch gehalten damit der
Stich frei war, die beiden Hinterbeine
wurden fest an den hinteren Troggriffen
fest gebunden.
Der Schlachter setzte ihm den
Bolzenschussapparat an die Stirn, durch das
Betätigen des Abzugsbügels betäubte er das
Tier schnell und Präzise. Mit einem
gezielten Stich in denHals wird die
Halsschlagader geöffnet und das
ausströmende Blut konnte aufgefangen
werden.
Bei dieser Art war das Tier maximal
5 Minuten dem Stress ausgesetzt.

Betäubungshammer Einsatzfertig

Foto links:
Betäubungshammer Einsatzfertig

Foto unten:
Betäubungshammer mit ausgezogenem Bolzen und mit durchgeschlagenem Bolzen. Vor dem Bolzenschussapparat hatte man einen Betäubungshammer, der hatte auf einer Seite eine Spitze, diese wurde an die Stirn gesetzt und dann wurde mit einem Vorschlaghammer auf die flache Seite geschlagen. Könner schlugen es mit freier Hand.Betäubungshammer mit ausgezogenem Bolzen und mit durchgeschlagenem Bolzen
Oder aber mit einem Betäubungshammer
wie er auf den Bildern oben abgebildet ist.

Das Blut wurde für die Blut-(Beutelwurst) Rotwurst und dem Schwarzsauer benötigt. Beim Blutauffangen
wurde ein Eimer unter den Kehlenstich des Schweins gestellt, und sofort musste, meistens machte es die
Hausfrau oder der Schlachter, mit der Hand mit kreuzweise durchgreifenden Rühren begonnen werden.
Die sich bildende Klümpchen (Adern) mussten ausgedrückt und entfernt werden, bis das letzte Blut
ausgelaufen war. So manches Mal habe ich Blut gerührt.
KehlstichDas Blut musste bis zum Abkühlen eifrig
gerührt werden, damit es nicht klumpte
und gerann. Dann wurde es mit etwas
Salz bis zum Wurstmachen und späteren
Verbrauch kühl aufbewahrt.
Dann wurde der Trog umgedreht, das
Schwein reingelegt und ein Eimer kaltes
Wasser zugegeben, dieses war nötig,
damit das Schwein auf dem Rücken
nicht verbrühte wenn es mit dem heißen
Wasser losging.

SchlachttrogDer Schlachttrog:
Der Schlachttrog war für Hausschlachtungen auf dem Land unentbehrlich.
Im 17. und 18. Jahrhundert fertigte man noch Tröge aus einem ausgehöhlten Baumstamm. Später wurden
sie aus Bohlen hergestellt, die Seiten
und Endbretter, jeweils aus einem Brett
gefertigt, wurden mit dem ca. 40- 50cm
breiten Bodenbrett in Schrägstellung
nach außen verzapft und vernagelt,
früher noch mit Holznägel.
Die Seitenbretter waren zu jedem Ende,
beidseitig als Handgriffe verlängert,
woan auch das Schwein fest gebunden
wurde. Die schräge Ausstellung war
natürlich von Vorteil, man hatte eine
größere Arbeitsfläche, das Schwein ließ
sich leichter drehen und das Brühwasser
konnte leichter abgegossen werden.
Der Trog sollte natürlich auch
Wasserdicht sein, so wurde er kurz vor dem Gebrauch dann überprüft, evtl. Kalfatet. Dies geschah mittels speziell gedrehtem Hanf, das mit einem
Kalfateisen in die Fugen geschlagen wurde (das kennt man aus dem Bootsbau), dann wurde er mit Wasser
gefüllt, damit er sich ausdehnen konnte.
Skizze SchlachttrogFoto rechts: Eine Maßskizze für die Fertigung.
Hierfür wurde er aber meistens aus
praktischen Gründen in den Graben gelegt.
Da nicht alle Haushalte einen Schlachttrog
besaßen, wurde er oft untereinander verliehen.
Neben dem Fleisch wurden alle verwertbaren
Teile genutzt und alles nach der Abkühlung
weiterverarbeitet.
Da bleibt kaum etwas für Hund und Katze
übrig.
Das benötigte kochend heiße Wasser wurde in
einem Wasserkessel (Manteltopf), wie ein
solcher früher fast in jedem Haushalt stand, so
ergibt sich vor dem Gebrauch eine sehr
gründliche Reinigung. Darin wurde die Wurst
anschließend gekocht und auch die Wäsche,
oder das Schweinefutter drin vorbereitet
wurde. Oder das Wasser wurde in einem
großen Wecktopf auf dem Herd vorbereitet,
und man musste sich beeilen es zu holen.
Gerade erzählte mir Sonja, die Ehefrau vom
Koch Lothar Block, die auch auf dem Lande
groß geworden ist, daß sie es so gerne riechen mochte, wenn ihr Opa das Schweinefutter darin kochte.
Das Wasser wurde häufig noch aus dem sauberen Graben, oder aber aus dem Brunnen mit der Pumpe
genommen wenn es denn Salpeter oder Eisenfrei war.
Das Abbrühen wurde mit einer verzinkten Gießkanne gemacht, denn durch den dünnen Hals konnte man
gezielt Gießen. Etappenweise wurden mit dem kurz vor dem Siedepunkt simmernden Wasser, die Borsten gebrüht und
gleich mit der so genannten Glocke abgeschabt, dann mit einem sehr scharfen Messer und kaltem Wasser
nachrasiert (kaltes Wasser, damit die Borsten wieder hart wurden und sich besser rasieren ließen).
Einige Schlachter brannten die restlichen Haare auch mit dem Bunsenbrenner ab.
Kräftige Arme mussten das Schwein drehen, um es von allen Seiten sauber zu bekommen.
Die Klauen wurden extra gebrüht, mit einem an der Glocke befindlichen Haken abgerissen und mit einem
scharfen Messer ausrasiert.
Für große und sehr festsitzende Klauen gibt es den etwas größeren Klauenhaken. Ja, viel heißes Wasser,
viel Holz, brauchte das Hausschlachten und die erste Frage nach der Begrüßung vom Schlachter war
immer: „Ist das Wasser heiß?“

Anheizen WasserkesselFoto aus Wikipedia:
Den Kessel fürs Wasser
anheizen, hierfür benötigte
man viel Holz.
Einige hatten, wie hier, den
Kessel draußen
provesorisch aufgebaut,
aber bei den meisten war er
fest in der Waschküche
installiert, denn hier drin
wurde auch eingeweckt
und die Wäsche gekocht.

 

 

Schlachtfest DelmenhorstFoto aus Wikipedia:
Ein Schlachtfest in
Delmenhorst.
Das Brühen ging dem Ende zu
, nun kam das „Häären“ mit
einem sehr scharfen Messer
und kaltem Wasser, damit die
Borsten hart und fest wurden
Wie auf den Bildern oben
wurde auch in unserer Region
geschlachtet, bei diesem
Verfahren lief das sparsame
Wasser nicht weg, und
gleichzeitig wurde das
Schwein warm gehalten,
denn es wurde ja bei Frosttemperaturen
geschlachtet,
und wenn es richtig kalt war, brauchte man viel Wasser. Ich habe miterlebt wie das abgekühlte Wasser um
den Trog zur Rutschbahn wurde.

Aufhängen der SchweineNun wurde das Schwein mit viel Kraft auf die Diele oder in die Tenne, zum Aufhängen gezogen.
Es wurde mit einem Krummholz durch die Sehnen der Hinterbeine aufgehängt und somit gleichzeitig
gespreizt. Ich besitze noch ein von meinem Vater gefertigtes Krummholz.
Wer keine Hakenvorrichtungen hatte, hing ein nicht zu schweres Schwein auch an Leitern zum Abkühlen
auf. Ein Schlachtfest in Delmenhorst, die Schweine auf die Leiter
gehängt und in der Mitte durch gehackt
Mit einer Taille, die im Sommer auf den Bauernhöfen für das Binden von Heu- und Strohwagen benutzt
wurden, wurde das Schwein zu den Haken der im dicken Deckenbalken befestigt war, hochgezogen.
In Arbeitshöhe aufgehängt wird das Schwein nun erst mal von außen gründlich abgewaschen und nach rasiert.
Wie schon gesagt, war die Sauberkeit höchstes Gebot, denn es gab nichts schlimmeres, als Pfoten oder Speck mit Borsten.

Schlachten in Delmenhorst 1995Foto:
Zur Verfügung gestellt
von Gerwin Flügger
aus Hasbergen.
Schlachten in Delmenhorst
heute, ca. 1995.
Ein Zufallsfoto, das bei
einer Spazierfahrt entstand.
Das Schwein ist sauber und
die Hühner reinigen den
Hof.

Erinnerung ans Schlachten in Daverden, ca. 1950- 1960

Hier eine kleine Erinnerung, ca. 1950- 1960, an den Schlachter Hans Heinrich Röge aus Daverden, dessen
Sohn Reinhard mir diese Fotos zur Verfügung gestellt hat: