Zeitzeugnisse aus Ostfiesland

Zur Verfügung gestellt von Marianne Koring.
Bei der Familie Friedrichs wurde sogar eine Fotoreihe aus dem Jahre 1962 gefunden, zu sehen sind der
Hausschlachter Herbert Eils und die Mutter Sophie von Marianne im Alter von 35Jahren.
Im Alter von 80Jahren (2008) erzählte mir Sophie noch einige Geschichten aus der Zeit des
Hausschlachtens, so auch, dass sie das Blutrühren und das Därme reinigen schon zu Hause in Waldstetten
(Westfalen) gelernt hatte, wo der Vater als Melker angestellt war.
Hier wurde natürlich auch ein Schwein gehalten um die Familie zu ernähren.
Nach ihrer Hochzeit lebte sie dann mit ihrer Familie auf dem Bauernhof ihrer Schwiegereltern, wo sie
natürlich kräftig mit helfen musste, obwohl sie auch noch in einer Apotheke aushalf.
Auch beim Schlachten musste sie kräftig mithelfen, erst das Blut rühren, dann das Därme reinigen, und das
mit einer Haarnadel, eine Technik, die ich bis heute nicht kenne.
Es wurden immer 2Schweine geschlachtet und das Fleisch von einem ¼ Rind eingeweckt,
das ergaben dann ca. 700Gläser, zuzüglich der Gläser vom im Sommer geernteten Gemüse und Obst.
Zur Hochzeit ihrer Tochter Marianne wurden 2 Schweine geschlachtet, wobei sie hier großes Pech
Hatten. Das Fleisch wurde schlecht, 46 Mettwürste und das ganze gepökelte Fleisch wurde schlecht und
konnte leider nicht verzehrt werden.
Zur Hochzeit wurde dann neues Fleisch zugekauft, was natürlich auch sehr schwer fiel, und beim Bäcker
gebraten.
Natürlich gab es auch hier lustige Geschichten, denn auch hier war das Schwanzklauen Sitte.
Der „geklaute Schwanz“ wurde auf einer extra gebauten Minileiter gebunden, mit Schleifen verziert und
dann zurück gebracht.
Natürlich musste er mit „Korn und Bier“ eingelöst werden, was dann meist zu einem feucht- fröhlichen
Abend wurde.