Kindheit Teil 5

Es gab leider aber auch traurige Geschichten, so wie diese:
Es muss so um 1980 gewesen sein, unsere Kinder waren ca. 10-12 Jahre und hatten jeder ein Großpony, so
auch unser Nachbarskind Sonja Grube, sie hatte einen schönen Falben mit unheimlichen Trabgängen, und
alle waren im Reitverein Bettingbühren, unter dem Reitlehrer Horst Kaufholt aktiv.
Eines Nachts, so nach Mitternacht, klopfte mein Nachbar Heinz Freese laut und aufgeregt ans
Schlafzimmer. Klaus, Klaus, komm bitte du musst helfen, ich war schnell wach und fragte erst einmal
nach dem Grund, denn er war ziemlich aufgeregt, bis ich dann heraus bekam, daß das Pony von Sonja
Grube im Sterben lag, es hatte Kolik und der Tierarzt konnte nicht mehr helfen.
Damit das Tier nicht auf den Abdeckerwagen kam, sollte der Notschlachter Karl-Heinz Kunz aus Berne, der
Sohn von Karl Kunz, bei dem mein Vater das Schlachten gelernt hatte, das Tier abholen, und damit begann
das Drama.
Denn Karl-Heinz Kunz lag wohl, leider wie so häufig, betrunken im Bett, und antwortete beim anrufen,
bitten und betteln, er würde nicht kommen.
So schien ich die letzte Rettung. Ich nahm ein scharfes Messer mit und wir machten uns auf den Weg zu
dem Hof von Hanna Düker, wo das Pony zu dieser Zeit stand.
Ich muß gestehen, ich habe ja einige Schweine, Schafe und Rinder geschlachtet, aber ein Pferd, dann auch
noch so ein bekanntes, das viel mir nun wirklich schwer.
Aber ich hatte Glück, mein Nachbar und Viehhändler Heinrich Osterloh kam von irgendeiner Party und
hatte die große Beleuchtung gesehen und wollte eigentlich nur noch einen kleinen trinken, aber na ja, es
kam anders.
Nachdem auch seine Bemühen, Karl-Heinz Kunz aus dem Bett zu holen scheiterten, denn er war ja sehr
bekannt mit ihm, erlöste er das Tier, und es wurde wirklich Zeit, denn keiner mochte das Tier mehr leiden
sehen, denn alle, besonders natürlich Sonja, litten wirklich mit.
Anschließend fuhren wir noch nach Berne zu Kunz um ihn immer noch bettelnd zu bewegen, das Tier nun
zu holen, da hieß es von ihm, ich hole keine toten Tiere.
Ja, das war Karl- Heinz Kunz wie er leibte und lebte, aber er hat es denn doch noch abgeholt, und ich bin
dann erleichtert nach Hause gefahren.
Ein weiteres, unangenehmes Erlebnis hatte ich mit Karl-Heinz Kunz mit 17Jahren.
Wir waren mit einigen Freunden und Freundinnen zum Frühschoppen bei Fritz Braue (Schützenhof) am
Weserdeich und hatten wie immer viel Spaß.
Da kam Karl-Heinz Kunz mit seinem ständigen Begleiter Albert Kube herein. Wie es schon immer bekannt
war, suchte er, angetrunken wie er war, wieder Streit, letztendlich auch mit mir, z.B. ihr könnt doch sowieso
nicht schlachten, dein Vater hat doch keine Ahnung, und du schon lange nicht, und in dieser Form ging es
immer weiter. Erst stritt ich ja noch mit, aber dann wandte ich mich ab, vieleicht hatte ich auch etwas
Angst vor einer Schlägerei, wie auch immer, doch unvermittelt schlug Karl-Heinz zu, und traf mich genau
aufs Auge.
Das ließ ich mir natürlich nicht gefallen, ich muss dazu sagen, ich hatte zu der Zeit durch das Schlachten
natürlich auch wirklich Kraft, ich schlug einmal zurück, da lag er unterm Tisch in der Ecke, ich zog ihn
wieder hervor, packte ihn am Hintern und am Nacken und wollte Ihn gerade durch das Fenster werfen,
da kam Fritz Braue. Er hatte Hände, ich glaube 3mal so groß wie meine, hielt mich am Nacken fest und
sagte nur „Hier nicht“, somit ließ ich Karl-Heinz los, er wurde von Fritz rausgeschmissen, und wir konnten
wieder Spaß haben.
Aber hier noch eine kurze lustige Geschichte, sie hatte nichts mit dem Schlachten zu tun, aber:
Wieder klopfte mein Nachbar Heinz Freese morgens gegen vier Uhr ans Fenster, Klaus, Klaus, du musst
helfen, Bernd Heine liegt im Graben.
Bernd Heine war sein direkter Nachbar und wir kannten uns natürlich alle sehr gut, von Kindesbeinen an.
Bernd war Rentner und alleine, seine Lieschen, die das Dorf so manches Mal in Aufruhr gebracht hatte,
denn sie mochte ziemlich gerne feiern und hatte sich dann nicht unter Kontrolle, so wurde sie schon mal
Nacht’s auf einer Leiter total betrunken nach Hause gebracht, war schon gestorben.
Es sei aber gleich gesagt es waren beide herzensgute und auch seriöse Leute.
Aber wehe wenn der Alkohol kam!!

Nun aber beginnt die Geschichte, Bernd war bei Änne und Fiedi Siebje in der Dorfkneipe gewesen und
hatte wohl ziemlich einen abgebissen. Als er dann Nacht’s nach Hause ging, es soll so gegen Mitternacht
gewesen sein, ist er kurz vor zu Hause in den Graben gefallen, und das war bei Freese vor dem Haus, was
sein Glück war, und ihm wahrscheinlich auch das Leben rettete.
Als Heinz dann so gegen 4Uhr zur Frühschicht musste, hörte er nur noch ein stöhnen, denn sagen konnte
Bernd nichts mehr, so erschöpft war er, denn er hatte demnach fasst vier Stunden versucht wieder heraus zu
kommen.
Heinz hatte schon versucht ihn heraus zu ziehen, aber das war unmöglich, denn Bernd war schwer, er wog
so ca. 110Kg und er hatte sich fast bis zur Hüfte in den Schlick eingestrampelt.
Nun versuchten wir es mit vereinten Kräften, denn Tante Freese, Heinz seine Mutter, war auch schon dabei,
aber es war unmöglich.
Großes überlegen!!
Ich holte mein Auto, denn es hatte eine Anhängerkupplung, banden Bernd ein dickes Tau unter die
Arme, denn unter den Hintern kamen wir nicht mehr, legten das Tau um die Anhängerkupplung und
ich zog ihn langsam und vorsichtig raus, es musste sehr vorsichtig sein, sonst hätten wir ihn noch
auseinander gerissen.
Aber als wir ihn dann letztendlich oben hatten, ging das Problem weiter, wie nach Hause transportieren,
denn er war schwer wie 2 Schweine und mindestens genauso dreckig und konnte vor Schwäche nicht
mithelfen!!
Wir holten eine Schubkarre, legten diese mit der Wanne schräg auf die Straße und rollten ihn mit vereinten
Kräften rein, so dass er fest saß.
Ich schob ihn nun nach Hause auf die Diele, zuvor hatten wir ihm den Schlüssel aus der Hosentasche
genommen, aber wir konnten ihn doch so nicht ins Bett bringen, also zogen wir ihn auf der Karre aus, das
war ein ganz schöner Akt, Tante Freese, guckte leicht verschämt bei Seite, aber es nutzte ja nichts.
Wir holten den Wasserschlauch und spülten ihn mit dem kalten Wasser ab, aber was sollten wir tun.
Bernd rührt sich kaum, denn er war so geschwächt, und Alkohol hatte er auch noch genug im Blut.
Wir trockneten ihn so gut es ging ab, und schoben ihn mit der Karre ins Schlafzimmer ans Bett, das war
sehr knapp, dann rollten wir ihn so wie er war ins Bett, denn sauber war noch lange nicht.
Wir deckten ihn ordentlich zu, so daß er langsam wieder warm werden konnte, und Tante Freese versprach
öfter nach ihm zu sehen, und wenn er sich nicht wieder erholt hätte, hätte sie den Arzt gerufen.
Wir konnten nun beruhigt zur Arbeit fahren.
Diese Geschichte fand ein gutes Ende, Bernd erholte sich wieder, trank weiterhin sein Bier, und jeder
erzählte diese Geschichte.
Geschichten dieser Art könnte ich noch mehr erzählen, und in vielen Dörfern erzählte man sich ähnliche
Geschichten, und ich glaube, nur hier kann man so etwas erleben.