Kindheit Teil 2

Köcher mit Koppel und WetzstahlFoto: Köcher mit Koppel und Wetzstahl

Wir, die Söhne Karl-Heinz, Manfred und ich,
Klaus, mussten auch das Schlachterhandwerk
erlernen.
Karl-Heinz erwarb in seinen jungen Jahren, er
musste mit 15 Jahren zur Ausbildung nach Berlin,
die Grundkenntnisse, nach Mamas Erzählungen
hatte er im Krieg zu Hause ein kleines Schwein
geschlachtet und mit einer leeren Konservendose
abgeschrappt.
Manfred und ich erlernten schon mehr, das
Schlachten, Zerlegen und das Wursten….Wir
mussten auch durch eine strenge Schule, denn Papa
war ein sehr sauberer Schlachter und er brachte
uns alle Handgriffe bis zur Perfektion bei, und
wenn es denn nicht so klappte, gab es auch
ziemlich Mecker.
Auch wenn wir am Wochenende gefeiert hatten,
und morgens nicht so richtig hoch kamen, hieß es
nur: Wer Feiern kann, kann auch Arbeiten.
Aber trotz allem hatten wir eine wirklich schöne
Zeit.
Es erfüllte mich natürlich auch mit Stolz, wenn
man denn hörte, welch guter Schlachter Papa war
und seine Wurst immer gut war. Auch das er allen
Situationen gewachsen war. Ich erinnere mich
noch als ein Rind anfing wild zu werden und sich
immer in die Runde drehte, so dass der Bauer es kaum noch halten konnte. Er handelte so schnell, dass ich
es kaum mitbekam. Im drehen setzte er den Bolzen- Schussapparat an, schoss und das Tier fiel auf der
Stelle um.
Es war zwar Risiko, aber auch Super Können.

UtensilienkofferDas Foto zeigt einen Utensilienkoffer mit
dem kompletten Schlachtergeschirr, in der
Mitte die Glocke zum abschrappen der
Borsten.
Ich ging manchmal schon als Kind mit zum
Blut rühren. Das musste sehr sorgfältig
geschehen und nach den Erzählungen
meines Vaters war es das erste Mal bei
Herbert Haye, dem Sielwärter vom
„Lichtenberger Siel“ und ich war noch so
klein, dass ich mit dem Kopf im Eimer
hing. Hieran kann ich mich zwar nicht
wirklich erinnern, aber je länger ich
schreibe, desto mehr kommen Erinnerungen mit klaren Bildern. Ich war am längsten dabei. Ich fing mit 14
Jahren an, ich ging noch in Dreisielen bei dem Klassenlehrer Schulz zur Schule, wo ich 1954 bei dem
Schulleiter Hermann Wellmann und Klassenlehrer Ahrens eingeschult wurde, wo noch in 2 Klassen mit je 4
Schuljahren unterrichtet wurde. Wir kamen 1962 als erster Jahrgang in das 9. Schuljahr der Hauptschulen in
Niedersachsen, gemeinsam mit allen der Gemeinde Berne zugehörigen Schulklassen, wo wir dann
gemeinsam, bei dem Klassenlehrer Onken, in einer Behelfklasse über der Turnhalle die Schulbank
drückten. Und ich kann sagen, wir mussten zwar lernen, aber hatten auch fürchterlich Spaß.

Eingeschult wurde ich 1954 noch in der Schule Bettingbühren mit insgesamt 5 Kindern in dem Schuljahr,
mit denen ich bis zum 9ten Schuljahr gemeinsam die Schulbank drückte.
Wir wechselten aber schon nach einem Monat in die neu erbaute 2Klassige Schule nach Dreisielen.
Das Gebäude kaufte damals Adolf Haye von Wehrderhöhle und baute es zur Bauerei um.
Da ich damals schon ein Pferdenarr war und häufig auf dem Hof war, wollte er mir ein Fohlen verkaufen,
und naiv wie ich nun mal war sammelte ich jeden Pfennig und brachte ihn zur Anzahlung, aber es hat
natürlich nie gereicht. Irgendwann gab er mir das Geld unter einem fadenscheinigen Vorwand zurück, ich
konnte mir natürlich nicht erklären warum mein Geld nicht reichte und war ziemlich traurig, daß ich das
Fohlen nicht haben konnte.
Adolf Haye war es auch, der uns als Jugendliche mit der Mistforke aus dem Augustapfelbaum vertrieb, ich
dabei meine Hose im Stacheldraht zerriss, und ich obendrein zu Hause noch ziemlich Mecker bekam
Lehrer Wellmann und FamilieFoto:
Lehrer Hermann Wellmann, Schulleiter der
Schule Schlüte, ab 1954 Schulleiter in
Dreisielen mit dem Unterlehrer Ahrens.
Hier mit seiner Frau Wilma und der ältesten
Tochter Gertrud.
Früher war es auch üblich dem Lehrer oder dem
Pastor einen Teil vom Geschlachteten
abzugeben.
Einige Lehrer und Pastoren waren natürlich
auch Selbstversorger und hatten oft selbst ein
Schwein.

Schule Bettingbühren

 

 

Foto rechts:
Schule Bettingbühren, bis 1949
unter dem Lehrer Vogt, dann bis zuletzt 1954
unter Lehrer Fiebelkorn, der anschließend
als Schulleiter zur neuen Schule in Warfleth
kam.
Dann zur Bauerei umgebaut.