Zu meiner Kindheit ...

... kam noch Karl Kuick aus Bettingbühren mit seinem Motorschiff und brachte Torf.
Das ging solange, bis der „Lichtenberger Siel“ 1955 die Tore schloss und zu einem Schöpfwerk
modernisiert wurde.
In unserem Hause, ging es häufig turbulent zu, denn nach dem Krieg hatten wir noch Flüchtlingsfamilien
einquartiert, wobei die Familie Milde noch bis heute Kontakt zu unserer Familie hält.
Dann wohnte Lore nach ihrer Hochzeit noch einige Zeit bei uns, bis dann ich 1967 mit meiner Familie
einzog und wir dann gemeinsam das Haus umbauten.
Papa war gelernter Stellmacher und übte nachher den Beruf des Bootsbauers und des Tischlers aus. Er
musste in der arbeitslosen Zeit natürlich auch seine junge Familie versorgen und so arbeitete er zeitweise
auch bei der Stellmacherei Lübbering in Bettingbühren.
Sein Onkel Friedrich Osterloh, geb.1895 war Schlachter, der mit seiner Frau Anni auch einen
landwirtschaftlichen Nebenbetrieb in Glüsing / Berne führte, den sein Sohn Heino geb.1927 mit seiner Frau
Traute geb.1927 nach dem verdienten Ruhestand seines Vaters dann weiterführte, Heino ging in der
Kriegs- und Nachkriegszeit noch mit seinem Vater zum Hausschlachten, wechselte dann aber zu Schlachter
Bober in Berne und blieb dort bis zu seinem Ruhestand beschäftigt.
Die Schlachterei von Karl-Wilhelm Bober war auf das Modernste eingerichtet, denn Karl-Wilhelm hoffte
auf seine Tochter, die gelernte Fleischermeisterin war, aber das hat sich leider nicht erfüllt und so wurde
dann das Geschäft aus Altersgründen aufgegeben.
So ergab sich damals für meinen Vater auch das Schlachten.
Er kam mit dem Schlachter und Viehhändler Karl Kunz aus Berne zusammen und überredete ihn, ihm doch
das Schlachten zu lehren. Der konnte auch eine Hilfe gebrauchen, also gingen die beiden gemeinsam auf
Tour.
Karl Kunz hatte auch einen Notschlachtbetrieb, somit war genügend Beschäftigung und zu Essen für die
Familie da.
So lief alles wunderbar. Mein Vater hatte wieder eine Beschäftigung und meine Mutter ein paar Groschen
mehr.
Anfänglich wurde mit dem Rad von Haus zu Haus gefahren, und das bei Eis, Schnee, Regen und Wind.
Dann kam das Motorrad und anschließend das Auto, das Goggomobil, das blieb bis zuletzt sein fahrbarer
Untersatz.
Als mein Vater wieder in seinem Beruf tätig war, ließ er sich im Winter von seinem Arbeitgeber
beurlauben, denn obwohl zu der Zeit noch mehrere Hausschlachter tätig waren, hatte er einen regen
Kundenzulauf. Denn Er hatte eine freundliche Art und lieferte immer ein sauberes Schwein ab,
Nebenberuflich war es nicht mehr zu schaffen.
Er wollte das Schlachten auch nicht aufgeben, denn es machte ihm sichtlich Spaß.

Schlachten Familie Brüning
Foto: Dieser Zeitungsausschnitt wurde mir
von Bernd Brüning zur Verfügung gestellt.
Schlachten am 8.12.1962 bei der Familie
Bernhard Brüning, der ehemaligen
Bootswerft, in Bardenfleth.
Von rechts: Senior Bernhardt Brüning,
Junior Heinz Brüning, ich, Klaus Osterloh,
mein Vater Christian Osterloh, Enkel Bernd
Brüning, Nachbarsohn Wolfgang Behling,
davor stehend sein Bruder Uwe Friese.
Mit Bernhard Brüning hatte mein Vater, der beim ihm als Bootsbauer beschäftigt war, zuvor die
Abmachung das er im Winter,also zur Schlachtzeit, frei bekam und im Frühjahr wieder anfing zu Arbeiten.

Vor der Schlachtsaison waren auch einige Vorbereitungen zu treffen, z.B. mussten erst einmal alle Messer
geschärft werden. Diese wurden dann auf dem Sandstein, den meine Mutter und später auch ich drehen
musste, geschliffen. Das war bei der Menge an Messern eine ganz schön anstrengende Arbeit, wo einem
vom Drehen ständig die Arme lahm wurden. Unser „Original Schleifstein“ sowie auch ein „Original Grasu.
Strohschneider“ wurden von mir Restauriert und stehen nun in der „Gaststätte Schierenbeck“ in Heidkrug
in der Ausstellung.

Schleifstein
Anschließend wurden die Messer auf dem
Abziehstein abgezogen und am Zeitungspapier
eine Schnittprobe gemacht. Die Hackbeile
wurden geschliffen, die Blattsägen und die
Bügelsäge für harte Knochen, wurden gefeilt
und geschränkt. Das Futteral aus Segeltuch für
die Hackbeile und die Sägen wurde überholt,
und der Rucksack nach genäht.
Die verschiedenen Taue wurden überprüft und
teilweise erneuert. Wenn Segeltuch oder Taue
erneuert werden musste, machte das Heinz
Rodiek vom Weserdeich, der Sohn unserer
Nachbarn von der Post.
Die Messer und Scheiben für die
Wurstmaschine wurden geschliffen und
geschärft, dieses machte immer
Hein Menkens aus Hiddigwarden, es musste
natürlich auch ein Reservesatz parat sein.
Der Bolzenschussapparat musste gereinigt und
überprüft werden.
Weiterhin wurden Patronen für den Bolzenschussapparat in zwei verschiedenen Ausführungen gekauft,
einmal „Grüne“ für Schweine und einmal „Rote“ für Großvieh.
Bei Tieren mit dicker Kopfhaut und starker Schädeldecke, wie Rinder oder Pferde, wird die Betäubung
mittels eines gezielten Schusses ins Gehirn durchgeführt.
Bei Rindern zielt der Schlächter dabei auf den gedachten Kreuzungspunkt zweier Linien, die den
Hornansatzpunkt und das gegenüberliegende Auge verbinden.
Nur bei Hausschlachtungen werden auch Schweine mit dem Bolzenschussgerät betäubt.
Dabei setzt der Schlachter das Bolzenschussgerät zwei Finger über die Augen der Sau fest auf die Stirn.
Für die Betäubung von Schlachttieren verschiedener Größe (Kaninchen, Geflügel) werden Apparate in
unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Auslösemechanismen hergestellt. Die wichtigsten
Herstellerfirmen in Deutschland sind Schermer, Kerner und Cash.
Schlacht-SchussapparatSchlacht-Schussapparat KanninchenFoto links: Schlacht- Schussapparat mit stumpfen Bolzen für Großvieh
Foto rechts: Schlacht- Schussapparat für Kaninchen
Da eine sofortige Tötung durch alleinige Anwendung des Bolzenschusses
jedoch nicht garantiert werden kann, muss bei der Schlachtung der Tod
unverzüglich durch Blutentzug herbeigeführt werden.
Der Schlachtschussapparat ist ein Gerät, das zum Betäuben von Schlachttieren
verwendet wird. Damit soll den Tieren unnötiges Leiden erspart werden.
Die Geräte sind meist Bolzenschussapparate, eine spezielle Form der
Bolzenschussgeräte und seltener Kugelschussapparate.
Als Erfinder des Schlachtschussapparates gilt Dr. Hugo Heiss
(* 5. August 1863, † 27. September 1936), ehemals Direktor des Schlachthofs in Straubing.
Da in der Nachkriegszeit niemand Waffen und waffenähnliche Geräte besitzen durfte,
wurde in dieser Zeit wieder „Geschlagen“