Föhr Traditions- Inselschlachterei Kopp seit 1891

Die Nordfriesische „Grüne Insel Föhr“, 82 Km² groß, ist die zweitgrößte Nordfriesische Insel mit einem
besonders guten Klima, und mit 8600 Einwohner die Bevölkerungsreichste Nordseeinsel Seit 1842,als der
dänische König Christian VII zum ersten Mal seinen Sommer hier verbrachte, ist die Insel als Kurort
bekannt.
Die Haupteinnahmequelle von Föhr war im 17. und 18. Jahrhundert der Walfang.
Diese Zeit war das goldene Zeitalter von Föhr, derzeit lebten Ca. 1000 Seefahrer auf der Insel, die Erfolge
dieser Walfänger sind heute noch auf den Grabsteinen der Friedhöfe zu sehen, aber auch von der
Landbevölkerung sind noch geschichtsträchtige Grabsteine vorhanden.
Selbstverständlich wurde während jeder Epoche Landwirtschaft betrieben, schon im 19. Jahrhundert
wurden Weidemastochsen für den englischen Markt gezüchtet.
Zeitweilig wurde von großen Zuchtbetrieben bis zu 2000 Rinder auf den saftigen und fruchtbaren
Marschwiesen gehalten.
Es werden Fleischrinder Frisian oder Angus, mit hofeigenem Getreide gemästeten Schweinen und auch
Schafe verschiedenster Rassen gezüchtet und gemästet.
Fast schon legendär ist das Fleisch der Salz-, Deich-, und Marschwiesenlämmer.
Wir haben es in mehreren Variationen gegessen, es ist einfach etwas Besonderes.
In den von uns besuchten Restaurants haben immer, ob Fisch oder Fleisch, immer qualitativ und
schmackhaft gegessen.
Während meines Kuraufenthaltes vom 15. September bis zum 6. Oktober 2010 in dem BFA- Reha-
Zentrum in Utersum lernte ich den Inhaber, in dritter Generation, der Traditions- Inselschlachterei der Insel
Föhr, den Schlachtermeister Herrn Peter Kopp,
(heute, 2010, 72 Jahre alt), in seinem Geschäft in Wyk kennen.
Auffällig war ein altes Foto mit einem „Gewaltigen, 23 Zentner schweren Bullen“, der Gründerfamilie
Kopp und den Lieferanten, den Föhrer Bauern, welches im Eingang hängt.
Über dieses Bild kamen wir ins Gespräch, weil ich so beeindruckt war, das ich sagte:
„ Mit diesem Bullen könne man ja ganz Föhr versorgen“, so erfuhr ich etwas mehr über die Familie.
Er selber, Peter Kopp betreibt das Geschäft in Wyk und sein Bruder Hans betreibt das Stammgeschäft in
Nieblum.
Aber auch die Hausschlachtung war auf Föhr traditionell.
Fast jede Familie auf Föhr hatte ein Tier, Schwein, Schaf oder Rind welches zur Winterzeit geschlachtet
und verwurstet wurde.
Auch hier unterschied sich die Arbeitsweise kaum von der unseren.
Eine kleine Geschichte von Hans Kopp:
Ein Schlachter Geselle aus seinem Betrieb führte auch Hausschlachtungen durch und mochte auch gerne
sein Können zur Schau stellen, bis er einmal Pech hatte. Zu der Zeit wurden die Tier zum Betäuben
geschlagen.
Er führte also das Tier zur Schlachtstelle, nahm seinen Betäubungshammer, holte zum Schlag aus und blieb
leider an der Wäscheleine hängen. Es folgte natürlich ein großes Gelächter, denn wer den Schaden hat
braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Auch heute wird die Wurst noch teilweise nach bewährten, traditionellen Haus- Rezepten hergestellt.

Die Gründerfamilie Kopp der Insel- Traditionsschlachterei auf FöhrDie Gründerfamilie Kopp der Insel- Traditionsschlachterei auf Föhr:
3vL: Gründer Friedrich Kopp, 5vL: Seine Frau Ane Christine,
1vL: Sohn Carl, 2vL: Sohn Walter
Rechts: die Lieferanten des legendären (Foto 1914) „Gewaltigen 23 Zentner (1150Kg) schweren Bullen“,
die drei Föhrer Bauern.

Sohn Carl hatte fünf Kinder:
Helmut Kopp, Schlachtermeister
Peter Kopp, Schlachtermeister, Geschäft in Wyk
Heidi Kopp, Architektin
Bruno Kopp, Kapitän
Hans Kopp, Schlachtermeister, Geschäft in Nieblum
1935 übernahm Sohn Carl das Geschäft und war bis in die siebziger Jahre der Inbegriff für Fleisch- und
Wurstwaren auf der Insel Föhr.
Nach dem Ausbau des Geschäftes, durch die Nachfolger, wurde es zu einem leistungsstarken Unternehmen,
dem Bau eines neuen Schlachthauses und Verarbeitungsbetriebes, wo bis 2007 noch wöchentlich bis zu 30
Schweine und 20 Rinder geschlachtet wurden, und eines Versandhandels der Kunden in ganz Deutschland
und sogar die Föhr- Amerikaner in Übersee versorgte.
Bis leider auch hier die Discounter „die Macht“ übernahmen.
Heute sind beide Geschäfte wieder Ladengeschäfte mit selbst hergestellten Waren von überaus guter
Qualität und Auswahl.
Heute werden die Tiere in Dagebüll oder Niebüll geschlachtet und zur Verarbeitung wieder auf die Insel
gebracht.

Erstes Dokument eines Föhrer VersandhandelsNebenstehend ein besonderes
Dokument aus Lübeck vom 1. November 1854
Das erste Dokument eines Föhrer Versandhandels
Zitiert im September 2010
Hier schreibt der
Schiffswerft-u. Reedereibesitzer
J A Meyer, aus Lübeck an seinen Freund
Capt. O. Flohr von Föhr
Hochgeschätzter Freund!
Ich habe mich sehr oft nach Ihrem Befinden erkundigt und auch von unserem gemeinschaftlichen Freund Capt. Paulsen vernommen, dass Sie immer noch Wohl und Munter sind, welches mir sehr erfreut war, auch ich bin Gottlob immer ganz froh und
gesund, baue immer große Schiffe auf Speculation.
Wie sie sich erinnern werden kauften wir vor einigen Jahren hier in Lübeck einige Ochsen für meine Schiffsbesatzung, welche von Ihrer Insel oder deren Nähe waren.
Da hier fast von dorten jetzt gar keine Ochsen mehr am Markt kommen, so möchte ich Sie lieber Freund ersuchen, für meine Rechnung und Gefahr mir dort 5 Stk gute Ochsen anzukaufen und mir selbige nach Lübeck schicken.
Sie können mir nur schreiben, was sie kosten, so sende ich Ihnen das Geld per Post zu, oder Sie können mir
auch aufgeben, an welchen ich es in Hamburg oder auch dorten bezahlen soll, denn mir macht es denn
solche große Freude, wenn meine Leute am Schiff solches schöne und junge Fleisch zu essen bekommen.
Indem ich Sie freundlichst ersuche mir gefälligst mit dem ersten zu berichten, ob Sie meine Wünsche
erfüllen können.
Grüße ich Sie und ihre liebe Familie freundlich und zeichne mit
Achtung Ihr Freund
J A Meyer
Capt. O. Flohr aus Oldsum auf Föhr war zwischen 1844 und 1858 als Kapitän in Diensten
Rob. S. Sloman und führte vornehmlich Segelschiffe mit Auswanderen nach Nordamerika.
J A Meyer war zu dieser Zeit eine leistungsfähige Schiffswerft in Lübeck.

 

Landesmuseum in Oevenum

Hier betreiben Herr Heie Sönksen- Martens und seine Frau Ingke
in ihrer Scheune ein wunderbar zusammengetragenes, sehr gut sortiertes und mit unsagbar wertvollen
Schätzen ausgestattetes Landesmuseum.
Auch wir hatten das Glück Herrn Heie Sönksen- Martens in seinem Museum anzutreffen und seiner
Führung, wie er mit einer unbeschreiblichen Euphorie und mit fundiertem Wissen, durch die Epochen
seiner Heimat führte, als wenn er sie alle selbst durchlebt hätte, folgen zu können.
Das Museum beinhaltet sämtliche Bereiche, vom ländlichen Leben, über die Seefahrt, bis zu der Fischerei
mit dem Walfang.
Hier habe ich zum ersten Mal gehört, dass Kinder bis ca. 10 Jahren am Tisch stehen mussten, erst wenn sie
ihren Unterhalt zum täglichen Leben beitrugen, durften sie auch sitzen.
Genau so neu war für mich, das der Name „Eisbein“ vom Schwein, daher kommt, das dieser Knochen
früher als Basis für Schlittschuhe benutzt wurden, er hat tatsächlich ein Muster und Beweis für diese
Tatsache in seinem Museum stehen.
Eisbein:
Für die Herkunft der Bezeichnung Eisbein gibt es unterschiedliche Erklärungen. Nach der Verbreitesten, die
wahrscheinlich aus der Volksetymologie kommt, leitet es sich von der früher üblichen Verwendung der
Schienbeine als Material für Schlittschuhkufen ab (im norwegischen islegg genannt, zu legg, „Bein,
Knochenröhre“). Wahrscheinlicher ist, dass Eisbein auf das althochdeutsche isbehn genannt, zu zurückgeht, ein altes
Wort aus der Fachsprache von Jägern und Medizinern für das Hüftbein (vermutlich entlehnt aus lateinisch
ischia, „Hüftgelenk“, seinerseits von griechisch ischíon, „Hüftbein“), das durch Bedeutungsverschiebung
erst im Neuhochdeutschen den Unterschenkel bezeichnet.
Für Inselinteressierte ist es Pflicht sich dieses Museum (2010, Eintritt 2,-€) zu besuchen!!!


Nachfolgend eine Fotocollage mit Herrn Heie Sönksen- Martens, von der Ausstellung, leider nur ein
kleiner Teil, denn das ganze Museum, mit seinen Geschichten würde ein Buch füllen.

Fotocollage Museum Oevenum auf Föhr