Alte Gesetzestexte

Als Hausschlachtung wird in Deutschland eine Schlachtung außerhalb gewerblicher Schlachtstätten
bezeichnet, in der Regel am Hof des Tierbesitzers, wobei das erschlachtete Fleisch ausschließlich im
eigenen Haushalt des Tierbesitzers verwendet wird. Typisches Tier für eine Hausschlachtung ist das
Schwein, doch es werden auch Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Kaninchen und Esel geschlachtet.
Als Schlachttier (auch Schlachtvieh) wird ein zum Schlachten bestimmtes Haustier bezeichnet.
Laut deutschem Recht zählen hierzu Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und andere Paarhufer, Pferde und
andere Einhufer, sowie Kaninchen, die als Haustiere gehalten werden. Ebenso zählt hierzu Haarwild, das
auf andere Weise als durch Erlegen getötet wird.
Bis 1986 wurde auch der Hund nach dem Fleischbeschaugesetz als Schlachttier definiert. Seitdem ist die
Gewinnung von Fleisch von Hunden und Hundeartigen (Caniden) verboten.
International werden auch Rinderartige wie Büffel, Bisons und Yaks; Kamele wie Lama und Alpaka;
Rentiere und Karibus dazu gezählt. Geflügel und Fische gehören nicht zu den Schlachttieren.
Die Methoden der Tötung von Schlachttieren sind kulturell verschieden. In westlichen, christlich geprägten
Staaten, werden Tiere mit Bolzenschuss oder Elektrobetäubung betäubt, bevor die eigentliche Tötung durch
Blutentzug erfolgt. Die religiösen Vorschriften von Islam und Judentum verlangen eine andere
Tötungsmethode, das Schächten. Dabei werden große Blutgefäße am Hals des Tieres ohne vorherige
Betäubung durchschnitten.

Alte Gesetzestexte
Eine neue rechtliche Lage ergab sich durch das Gesetz, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau
(Nr. 2692) vom 3. Juni 1900. Hier wurden eindeutige Richtlinien für die Hausschlachtung formuliert:
§2
Bei Schlachttieren, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll,
darf, sofern sie keine Merkmale einer die Genusstauglichkeit des Fleisches ausschließenden Erkrankung
zeigen, die Untersuchung vor der Schlachtung und, sofern sich solche Merkmale auch bei der Schlachtung
nicht ergeben, auch die Untersuchung nach der Schlachtung unterbleiben.
Eine gewerbsmäßige Verwendung von Fleisch, bei welchem auf Grund des Abs. 1 die Untersuchung
unterbleibt, ist verboten.
Reichs-Gesetzblatt 1900, Nr. 27, S. 547 Ausgegeben zu Berlin den 11. Juli 1900.
Das Gesetz trat am 1. April 1903 in Kraft. Am 21. April 1933 wurde in einer neuen Verordnung über das
Schlachten von Tieren (Reichsgesetzblatt Jg. 1933, Teil 1, S. 212) auch die Art der auszuführenden
Betäubung näher beschrieben:
§6
Die Betäubung muss so vorgenommen werden, dass unnötige Aufregungen und Schmerzen der Tiere
vermieden werden. Sie muss schnell erfolgen und nachhaltig sein. Sie hat unter Anwendung besonderer
Betäubungsapparate (Bolzenschussapparat, Schlagbolzenapparat, Schlagbolzenmaske) oder durch Schlag
auf den Schädel (Kopfschlag, Keulung, bei Kaninchen Genickschlag) mit einem besonderen Hammer oder
behelfsmäßig mit einer Axt zu erfolgen....
Übung besitzen. Personen, die das Schlächtergewerbe erlernen, dürfen während ihrer Ausbildungszeit den
Kopfschlag nur unter Aufsicht ausführen....

Betäubung Schwein

§7
Die Betäubung durch Kopfschlag darf, abgesehen
von Notschlachtungen, nur durch Personen
ausgeführt werden, deren Körperkräfte hierfür
ausreichen, und die die erforderliche Übung
besitzen. Personen, die das Schlächtergewerbe
erlernen, dürfen während ihrer Ausbildungszeit den
Kopfschlag nur unter Aufsicht ausführen....
Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt die Regelung der
Hausschlachtungen dem Landrecht überlassen war,
erfolgte am 15. April 1937 durch das Zweite Gesetz zur Änderung des Fleischbeschaugesetzes eine
reichsrechtliche Regelung. Durch sie wurde die Trichinenschau allgemein, d. h. auch für
Hausschlachtungen von Schweinen, eingeführt.


§ 2 erhält folgende Fassung:
Den Untersuchungen nach § 1 und der Trichinenschau unterliegen die Schlachttiere auch dann, wenn das
Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll (Hausschlachtung).
Reichsgesetzblatt Jg. 1937, Teil 1, Nr. 49, S. 118
Im Fleischbeschaugesetz in der vom 1. Januar 1941 ab geltenden Fassung (Gesetz vom 29. 10. 1940,
RGBI.I, S. 1463) wurde die Untersuchungspflicht noch verschärft: nun wurde eine Schlachttier- und Fleischbeschau sowie die Trichinenschau auch bei Hausschlachtungen gefordert (§1, § 2). Grundsätzlich
haben diese Bestimmungen bis heute Gültigkeit. Eine Ausnahme wird formuliert im § 3 des
Fleischhygienegesetzes vom 24. Februar 1987 (BGBI.1 S.649):


§3
Hausschlachtungen
Die zuständige Behörde kann bei Schlachtungen außerhalb gewerblicher Schlachtstätten, wenn das Fleisch
ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll (Hausschlachtungen), im Einzelfall
Befreiung von der Schlachttieruntersuchung erteilen.
Demnach kann mit Genehmigung im Einzelfall auf die Untersuchung vor der Schlachtung verzichtet
werden. Alle weiteren Untersuchungen müssen aber dringend durchgeführt werden.
Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat
§4 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes.


Nach Angaben des statistischen Landesamtes wurden 1995 noch fast 126000 Schweine für die
Eigenverwertung zu Hause geschlachtet, 2003 waren es nicht einmal mehr die Hälfte.