Achimer Kreisblatt

Kreiszeitung für den Landkreis Verden
26. Januar 2009
Von Klaus Bischoff
Zitiert im September 2010
Doch das gestohlene Schwein war einfach nirgends zu finden!
Während des Krieges und auch später wurden bei uns zwei Schweine gemästet.
Eines für den Eigenbedarf und ein Schwein musste abgeliefert werden.
Wer ein Schwein schlachten wollte, musste hierfür eine Genehmigung von der Gemeinde einholen. Ohne
Genehmigung kein Schlachtfest.
Nach dem Krieg nahmen die Diebstähle stark zu.
Alle Stall- und Schuppentüren wurden deshalb mit einem Schloß versehen, so auch die Tür zu unserem
Schweinestall. Zusätzlich wurde der Haken zum Verschließen der Mistklappe mit einem Keil, der nur von
innen zu entfernen war, gesichert.
Das erste Schwein war bereits kurz vor Weihnachten geschlachtet worden, und das zweite musste
demnächst abgeliefert werden. Was war das für eine Aufregung, als kurz vor dem
Ablieferungstermin das Schwein gestohlen wurde. Die Mistklappe war von außen aufgebrochen worden.
Der Dorfpolizist kam und sicherte alle Spuren. Das war eine schwierige Aufgabe, denn es führte mindestens
sechs Spuren in verschiedene Richtungen.
Das gestohlene Schwein war nirgends zu finden!
Der Dorfpolizist gab bald die Suche auf. Verwundert blieb er jedoch an einer großen, feuchten, Stelle auf
dem Stallfußboden stehen und sagte:
„Diese Stelle muss ich mir morgen nochmal genauer ansehen“.
Abends herrschte bei uns im Haus eine hektische Spannung.
Wir Kinder wurden früh ins Bett geschickt.
Als ich morgens aufwachte roch es im ganzen Haus nach gekochtem Fleisch und frischer Wurst
Zu sehen war aber nichts, kein Hackepeter, kein Bauchspeck und auch keine Leberwurst oder Brühe. Im
ganzen Haus standen die Fenster und Türen weit auf.
Die Nachbarn besuchten uns und gingen mit einem Paket wieder weg.
Ob der Polizist, der mittags wieder aufkreuzte, auch ein Paketmitnahm, kann ich nicht mehr mit
Bestimmtheit sagen. Ich erinnere mich nur noch daran, dass einer nachmittags rief;
„Holt bloß den Päsel wedder ut denn Boom! Ji bringt den Gendarm in Dübels Köken“.
In der Dämmerung wurde dann mit einer langen Leiter das Meisenfutter wieder vom Birnbaum herunter
geholt.
SauNach ein paar Tagen war das
gestohlene Schwein vergessen.
Auch über die anderen Schweine,
die zur damaligen Zeit
verschwanden, wurde nicht lange
geredet. Zitatende.
Schlachtschweine früher hatten
deutlich mehr Speck auf den
Rippen als die später auf
„fettarm“ gezüchteten Sorten

Achim - Schnackenberg

Melitta und Arno Jensen
Nachfolgende Berichte und Fotos wurden mir aus dem Archiv von Melitta und Arno Jensen, unseren Ahnenforschern aus Bremen zur Verfügung gestellt.

Foto um 1942. Achim SchnackenbergFoto um 1942. „Achim Schnackenberg“

Viele kräftige Hände mussten bei einer Schlachtung anpacken.
Die Schlachter Badenhop bei ihrer Arbeit auf dem Hof Bischoff in der Langenstraße.
Hausschlachtungen, wie hier um 1942, durch die Schlachter Hermann und Hinrich Badenhop unter Mithilfe
den polnischen Zwangsarbeiters Bernhard Bethke (rechts) auf dem Hof Bischoff Achim Nr.28
(Langenstraße), waren bis in die 60er/70er Jahre Gang und gäbe auf dem Lande. Während des 2.
Weltkrieges mussten Hausschlachtungen beim Ernährungsamt angemeldet und eine Schlachtsteuer (für ein
Schwein bis 125Kg vier Reichsmark, bis 600Kg 22 Reichsmark) entrichtet werden. Schwarzschlachtungen
waren an der Tagesordnung.
Für den ganzen Hof und alle Familienmitglieder bedeutete die Schlachtung viel Arbeit, war aber
gleichzeitig ein Schlachtfest das für Aufregung sorgte.
Etliche Vorbereitungen waren nötig, bis das Schwein ausgeweidet mit dem Kopf nach unten auf eine
Holzleiter gebunden war, und nach der Trichinenuntersuchung durch den Fleischbeschauer endlich mit dem
Wurstmachen begonnen werden konnte.

Hier hat der Achimer Maler Günter Klein das Hausschlachten auf einem sehr schönen Gemälde verewigt

Hier hat der Achimer Maler Günter Klein das Hausschlachten auf einem sehr schönen Gemälde verewigt.

 

Achimer Kreisblatt 26.01.2009

Kreiszeitung für den Landkreis Verden
26. Januar 2009
Sonderseite
Zitiert im September 2010

Sonderseite: Heimatverein Achim Beim Zerlegen: die Hausfrauen beim interessierten Zuschauen, was kommt in die Wurst, was wird eingefroren, oder was wird eingeweckt, wie es früher gemacht wurde als es noch keine Gefriertruhen gab?? Dieses Schwein hat noch schönen Speck, den man auch dringend zum Wursten benötigt.

Beim Zerlegen: die Hausfrauen beim interessierten Zuschauen, was kommt in die Wurst, was wird eingefroren, oder was wird eingeweckt, wie es früher gemacht wurde als es noch keine Gefriertruhen gab??
Dieses Schwein hat noch schönen Speck, den man auch dringend zum Wursten benötigt.

Wie man hier sieht, ging es beim Schlachten auch in den 50er Jahren durchaus spaßig zu!!! Schlachter Hinrich Badenhop auf dem Hof von Bischoff in AchimMikroskop für den Fleischbeschau

Wie man hier sieht, ging es beim Schlachten auch in den 50er Jahren durchaus spaßig zu!!! Schlachter Hinrich Badenhop auf dem Hof von Bischoff in Achim.

Der Fleischbeschauer kommt:
Die Ausrüstung eines Fleischbeschauers. Hinrich Jäger war im Achimer Raum als solcher tätig.
Wichtigstes Instrument war das Mikroskop, unter das Glasplatten mit gepresstem Fleischproben zur Untersuchung geschoben wurden.

Schlachterei Mindermann

Ein Mitarbeiter der Schlachterei Mindermann beim Zerlegen eines Rindes. Beim Hausschlachten war das natürlich alles etwas beschwerlicher, hier hatte man keine solchen Hilfsmittel wie Winden, auch die Räumlichkeiten waren nicht so
komfortabel.

Ein Mitarbeiter der Schlachterei Mindermann beim Zerlegen eines Rindes Auch hier beim Wursten geht es einfacher zu, die Wurst wird portioniert abgefüllt und mit praktischen Bindeautomaten abgebunden.

Hier sind Mindermann - Mitarbeiter mit dem Herstellen von Grützwurst beschäftigt, die bei keinem „Kohl und Pinkel Essen“
fehlen dürfen.

Auch hier beim Wursten geht es einfacher zu, die Wurst wird portioniert abgefüllt und mit praktischen Bindeautomaten abgebunden.

So sieht „Wurstmachen heute aus:
Jörg Mindermann von der gleichnamigen Traditions- Schlachterei in Achim zieht eine Ladung „Geräucherter“ aus
der dampfenden Anlage.

So sieht „Wurstmachen heute aus: Jörg Mindermann von der gleichnamigen Traditions- Schlachterei in Achim zieht eine Ladung „Geräucherter“ aus der dampfenden Anlage.

Beim traditionellen Räuchern des Hausschlachtens, war es sicherlich etwas beschwerlicher, erst musste ein
frostfreier Raum zum „Abhängen der Wurst“ gefunden werden, dann kam die Wurst in den
Räucherschrank, oft auch in den Holzschrank nach draußen, denn nicht alle Haushalte hatten einen fest am
Schornstein installierten Räucherschrank.
Hierbei musste die Wurst, wie auch der Schinken auf natürliche Weise reifen, das war nicht immer einfach,
denn die Wurst im Räucherschrank draußen war natürlich auch sehr stark von den Witterungsverhältnissen
abhängig.

 

Nachbarn durften mit ans frische Mett

Achimer Kreisblatt
Nachbarn durften mit ans frische Mett
Zitiert im September 2010
Der Schlachter im Winter war im Sommer oft Maurer
Wenn der Schlachter per Bolzenschuss das Schwein betäubte und dann mit dem Messer dessen Hals
aufschnitt, durften Kinder nicht dabei sein.
Bei der weiteren Arbeit aber schaute der Nachwuchs auf den Höfen meistens zu; und war begeistert wenn er
beim Wurstmachen auch mit probieren durfte
Hausschlachtungen waren früher immer unvergessliche Ereignisse, auch in Achim und Umgebung.
Die Erwachsenengenossen dabei den einen oder anderen Schnaps zwischendurch bei der anstrengenden
„fettigen“ Arbeit.
Kind am FleischwolfDas Wurstmachen wurde oft nachts oder
frühmorgens erledigt.
Zur guten Sitte gehörte es auch, Nachbarn
einzuladen, wenn zum Frühstück frisches Mett mit
Zwiebeln und frisches Knipp auf den Tisch kam.
Heutzutage sind Hausschlachtungen so gut wie
ausgestorben.
Der Heimatverein Achim hält die Erinnerung
daran jedoch immer wieder durch Veranstaltungen
und Berichte lebendig. Er hat auch etliche Fotos
von Schlachtungen samt dabei verwendeter
Gerätschaften in seinem reichhaltigen Fundus.
Sogar ein Film über die 1995 aufgenommen
Hausschlachtung bei Hinrich Meyer in Baden
wurde schon auf einer Heimatvereins-Veranstaltung gezeigt.

Am Fleischwolf durften früher auch die Kinder mit drehen und so ihren Teil zum Wurstmachen beitragen. Für die meisten Kinder, besonders bei den Jungen, war das Hausschlachten immer ein Ereignis, denn es kam ja meistens nur einmal im Jahr vor. Sie versuchten sich beim abschrappen der Borsten, oder aber auch beim Fleisch durchdrehen, denn hier konnten sie ihre Kraft beweisen.

Die Schlachter zu Winterszeit arbeiteten im Sommer meistens in anderen Berufen häufig als Maurer.
Und auch die Fleischbeschauer fahndeten per Mikroskop nach gefährlichen Trichinen oder auch Finnwürmern in den Fleischproben aus dem frisch geschlachteten Schwein- hatten fast immer einen zweiten Beruf.
Das in den fünfziger und sechziger Jahren noch weit verbreitete Hausschlachten nahm immer mehr ab- schon weil es immer weniger Bauerhöfe oder Haushalte mit eigenem Schlachtvieh mehr gab.
Pro Tier wurde das ganze immer teurer, wie sich aus dem Heimatverein vorliegenden Dokumenten ergibt.
Nicht zuletzt wurden die hygienischen Auflagen immer umfangreicher- vom nötigen Einbau eines
Fettabscheiders bis hin zu Vorschriften zur Beseitigung von Schlachtabfällen oder zu verwendenden
Betäubungsgeräten.
Einzelne oder wenige Schweine zu schlachten wurde so zum unerträglichen Kostenfaktor.
Im übrigem gab es ja im Schlachterladen und Supermarkt stets frisches Fleisch.
Auch Fleischereibetriebe wie Mindermann in Achim schlachten heute nicht mehr selber, sondern
verarbeiten frische Schweinehälften und Rinderviertel vom Schlachthof, deren Herkunft und Lieferanten
genau bekannt und nachgewiesen sind.
Längst ausgestorben sind zudem die „Gefriergemeinschaften“.
Zu Zeiten in denen die eigene Gefriertruhe nicht selbstverständlich war, wurde das frische Fleisch aus
Hausschlachtungen gern in großen „Gemeinschaftskühlanlagen“ deponiert, bevor es als Koteletts oder
Sonntagsbraten benötigt wurde.